Die Geschichte des Lehrbauhofes Lauterbach und die Weiterentwicklung zum heutigen Bildungszentrum Bau Osthessen Lauterbach

 
Der Lehrbauhof Lauterbach entstand Ende der 60er Jahre in den Räumen der Vogelsbergschule Lauterbach. In einer Halle der Vogelsbergschule Lauterbach wurde in den Wintermonaten schon die überbetriebliche Ausbildung durch den Baulehrer Karl Eurich, den Unternehmer Otto Eurich und den Maurermeister Dieter Jander durchgeführt.

Als 1975 die Bauwirtschaft in Hessen beschloss, überbetriebliche Ausbildungsstätten zu errichten, da in den kleinen Handwerksbetrieben kaum mehr Zeit für die Ausbildung blieb und in den größeren Unternehmen die Auszubildende oft sehr viel schalen und betonieren mussten und dadurch kaum mehr mauern konnten, war die Innung des Bauhandwerks Lauterbach einer der Ersten – neben Eschwege und Assmannshausen – die eine überbetriebliche Ausbildungsstätte einrichteten. Zu diesem Zeitpunkt bestand nur die damalige Erhard-Borst-Lehrbaustelle in Frankfurt (heute: BIW – Bildungswerk Bau Hessen-Thüringen e. V.). 

Mittlerweile gibt es in Hessen 16 überbetriebliche Ausbildungsstätten. Die Hauptinitiatoren, die dieses schwierige Unterfangen – die Einrichtung eines Lehrbauhofes -, in Angriff nahmen, obwohl die meisten Betrieben zu der damaligen Zeit gegen eine überbetriebliche Unterweisung waren – waren der damalige Obermeister der Innung August Gluck mit seinen Vorstandskollegen, der damalige Schuldirektor der Vogelsbergschule Karl Rüsseler mit seinem Baulehrer Karl Eurich und Werner Giel vom Verband baugewerblicher Unternehmer e. V. in Frankfurt. Doch bevor am 01. August 1975 der Lehrbauhof Lauterbach seine Pforten öffnete, musste ein Ausbilder gefunden werden. Man nahm diese Sache sehr ernst. Von den neun Bewerbern musste ein Probeunterricht mit Aufgabenschwerpunkten durchgeführt werden. August Gluck, Karl Rüsseler, Karl Eurich, Karl-Leonhard Metzendorf und der stellvertretende Obermeister Otto Eurich entschlossen sich, den jungen Bautechniker Werner Wahl aus Stockhausen einzustellen. Das erste Ausbildungsjahr 1975 war für alle Beteiligte ein sehr schwieriges Jahr, weil die ausbildenden Betrieben vor vollendete Tatsachen gestellt wurden und sie ihre Auszubildenden neuerdings im 1. Ausbildungsjahr kaum mehr sahen, da die Auszubildenden nun über 80% vom 1. Ausbildungsjahr im Lehrbauhof Lauterbach verbrachten und dort die überbetriebliche Ausbildung absolvierten. Dies führte bei den Betrieben zu schwerwiegenden Diskussionen und es war mit viel Ärger verbunden. 1975 wurden nur 21 Baulehrlinge im gesamten Vogelsbergkreis eingestellt. Erwähnenswert ist hier, dass in diesem Jahr noch keine Kostenübernahme der überbetrieblichen Ausbildung stattfand. Erst in 1976 führte die damalige Urlaubs und Lohnausgleichskasse (ULAK) mit Sitz in Wiesbaden (heute: SOKA-BAU) das umlagefinanzierte Berufsausbildungsverfahren ein. Nachdem das erste und stürmische Jahr vorüber war, ging es mit dem Lehrbauhof Lauterbach aufwärts. 1978 wurde an die Halle der Vogelsbergschule der erste Abschnitt des Lehrbauhofes Lauterbach angebaut. Auch bei diesem ersten Bauabschnitt wurde durch Werner Wahl mit seinen jungen Auszubildenden schon viel Eigenleistung erbracht.

Nachdem das zweite und dritte Ausbildungsjahr nun in dem neuen Lehrbauhof ausgebildet wurde, wurde ein weiterer Ausbilder, Dieter Jander aus Landenhausen, den alle durch die überbetrieblichen Lehrgängen schon kannten, fest eingestellt. Ab 1976 wurden immer mehr Lehrlinge von den Ausbildungsbetrieben des Bauhandwerks im Vogelsbergkreis eingestellt. Der Lehrbauhof Lauterbach wurde bekannt und anerkannt. Nicht zuletzt durch die sehr gute Zusammenarbeit des Innungsvorstandes unter August Gluck, der Vogelsbergschule und des Lehrbauhofes Lauterbach unter der Führung von Werner Wahl, der 1980 zum Ausbildungsleiter benannt wurde. In den Jahren 1979 bis 1996 wurden im 1. Ausbildungsjahr bis zu siebzig junge Auszubildende eingestellt. Die Gesamtzahl der Azubis betrug weit über einhundert. Der bestehende Lehrbauhof konnte diese Ausbildungszahlen nicht mehr aufnehmen und so wurde 1980 ein neuer Bauabschnitt begonnen. 1978 bis 1980 wurden durch die Baubetriebe so viele Baulehrlinge eingestellt, dass ein weiterer Ausbilder, nämlich Bernd Schneider aus Rixfeld, eingestellt wurde. Nach 1980 ging es mit der Baukonjunktur bergab und somit wurden auch immer weniger Auszubildende eingestellt. Der Lehrbauhof Lauterbach stand vor einer extremen Überlebenssituation. Doch das große Engagement aller am Lehrbauhof Lauterbach Beteiligten war mittlerweile in ganz Hessen bekannt geworden. So auch dem Verband baugewerblicher Unternehmer e. V. Hessen. Dieser übertrug dem Lehrbauhof kleinere Weiterbildungsseminare im Bereich der Betoninstandsetzung. Der Innungsvorstand und die Ausbilder nahmen ihre Sache so ernst und arbeiteten so intensiv an ihren neuen Aufgabengebieten, dass innerhalb kürzester Zeit der Lehrbauhof in ganz Hessen und nach wenigen Jahren in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt wurde. Der damalige Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer e. V. Hessen, Wilhelm Spatz, damals frisch beim Verband eingestellt, sprühte ebenfalls vor Tatendrang und übergab dem Lehrbauhof immer mehr neue Aufgabengebiete. Aufgrund dieser guten Zusammenarbeit des Verbandes mit Wilhelm Spatz und des Lehrbauhofes unter der Leitung von August Gluck und Werner Wahl wurde eine hervorragende Arbeit geleistet, die auch in ganz Deutschland anerkannt wurde. Dies zeigte sich auch darin, dass die großen Industriebetriebe der Bauindustrie, welche eigene große Ausbildungszentren hatten, ihre Weiterbildung zum Teil in Lauterbach absolvierten. Nachdem Wilhelm Spatz in 2010 in Ruhestand gegangen ist, führt seit dem Hartmut Schwieger, Abteilungsleiter Bautechnik, mit gleichem Enthusiasmus dieses Amt fort. Leider wurde der damalige Obermeister und Führungspersönlichkeit der Innung, August Gluck krank und verstarb 1994. Doch hatte er seiner Familie nahe gelegt, diese Tätigkeiten und seinen Aufbau weiterzuführen. So wurde sein Schwiegersohn, Dipl.-Ing. Dieter Schaub am 17. April 1993 Obermeister und führte wie August Gluck mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen die, Innung und den Lehrbauhof noch bis heute weiter. Hervorzuheben ist noch Otto Eurich, der als stellvertretender Obermeister bis 1999 mithalf die Geschicke der Innung und des Lehrbauhofes in die richtige Richtung zu lenken. Das Amt von Karl-Leonhard Metzendorf aus Lauterbach als Prüfungsausschussvorsitzender übernahm im Jahr 1993 Gerhard Schmalz aus Landenhausen, der bereits 1987 in den Vorstand gewählt wurde und dessen Vater auch schon im Innungsvorstand war und führt dieses Amt bis heute noch aus.

Und auch der Sohn von Karl-Leonhard Metzendorf, Kurt Metzendorf aus Lauterbach war ab 1993 im neuen Vorstand vertreten. Edmund Caspar aus Engelrod trat 1993 für Wilhelm Fischer aus Grebenhain in den neuen Vorstand ein und ist seit 1999 stellvertretender Obermeister Für Hans von Alt kam 1999 Robert Lindner aus Willofs neu hinzu. Ebenfalls neu im Vorstand war ab 1999 Bertram Philipp. 

Aktueller Vorstand seit 09. Mai 2014:

Obermeister: Dieter Schaub

stellv. Obermeister: Edmund Caspar 

Beisitzer: Wolfgang Schott,  Gerhard Schmalz, Bertram Philipp

Auch die Arbeit von dem damaligen Schulleiter Karl Rüsseler und dem Baulehrer Karl Eurich wird heute in guter engagierter Weise durch den jetzigen Schulleiter Holger Arnold und Baulehrer Ewald Emken fortgeführt. Ebenfalls erwähnenswert und Teil des Lehrbauhofes ist die Geschäftsstelle der Innung – die Kreishandwerkerschaft für den Vogelsbergkreis – damals unter der Geschäftsleitung von Ernst Gonné und Kreishandwerksmeister Heinrich Rößner, die von Anfang an in guter Zusammenarbeit Pionierleistung mit der Innung vollbrachte. Die Arbeit des damaligen Geschäftsführer Ernst Gonné mit seinem Mitarbeiter Roland Habermehl, welche ihr Engagement auch im Lehrbauhof verwirklicht hatten, wird heute in genauso guter Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Erwin Mönnig sowie den Mitarbeitern Roland Habermehl, Nicole Müller und Sonja Fehl fortgeführt. Doch die Entwicklung des Lehrbauhofes stand nicht still. Zu den vielen Weiterbildungslehrgängen des Berufsförderungswerkes des hessischen Baugewerbes in Frankfurt kamen noch die eigenen Initiativen in Sachen Weiterbildung der Innung des Bauhandwerks Lauterbach hinzu. Unter anderem werden seit vielen Jahren Polier-, Werkpolier-, Vorarbeiterlehrgang usw. durchgeführt. Dies führte dazu, dass in den Wintermonaten parallel Weiterbildungsseminare der Innung, des Berufsförderungswerkes und die Ausbildung im Lehrbauhof abliefen. Dies war mit einem Seminarraum nicht zu bewältigen. Also stellte die Vogelsbergschule Räume (bis zu drei Stück pro Jahr) zur Verfügung. Da aber durch die Einführung neuer Ausbildungs- und Schulungsschwerpunkte die Vogelsbergschule selbst in Raumnot geriet, war es auf Dauer nicht mehr möglich, dem Lehrbauhof Räume zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren bekam der Lehrbauhof Schwierigkeiten, da er weder über Umkleideräume, Aufenthaltsräume und nur über mangelhafte Sanitärräume verfügte. Um die Existenz der Einrichtung nicht zu gefährden, beschloss der Vorstand der Innung des Bauhandwerks Lauterbach eine Erweiterung und eine zusätzliche Modernisierung des Altbaus hinsichtlich energietechnischer Maßnahmen außen und innen. Der damalige entstandener Erweiterungsbau in 1996 hat eine Größe von 3.310 cm³ umbauten Raum, einer überbauten Grundstücksfläche von 455 m², einer Nutzfläche von 585 m² und einer Verkehrsfläche von 163 m². Die Baukosten für den Erweiterungsbau betrugen ca. 2 Millionen DM, die Kosten für die Modernisierung ca. 1 Millionen DM und die Ausstattungskosten ca. 500.000 DM. 30% der Baukosten musste die Innung selbst finanzieren.

Nach 1996 wurde die Aus- und Weiterbildung kontinuierlich ausgebaut.

Weiterentwicklung in der Ausbildung: 

  • Seit 1980 Berufsorientierungsseminare in Kooperation mit der Vogelsbergschule
  • Seit 1980 Kooperation mit der Volkshochschule im Bereich Weiterbildung im Holzbau 
  • Seit 1995 Kooperation mit der Vogelsbergschule im Bereich von Seminarräumen und Bauhallen für Berufsvorbereitungsseminar und Berufsorientierungsseminare. 
  • 2007 Deutschlandweit einmaliges Ausbildungsprojekt für Realschüler, Fachoberschule und Ausbildung innerhalb von drei Jahren 
  • Seit 2010 Durchführung geförderter Berufsorientierungsmaßnahmen durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 
  • Vorbereitung für Einstiegsqualifizierung „Berufsstart Bau“ für Jugendliche, die keine Lehrstelle bekommen oder schwer vermittelbar sind. Gefördert durch die SOKA-Bau. 
  • Vorbereitung einer Hochbauausbildung mit Schwerpunktthemen Beton und Betoninstandsetzung 

 

Weiterbildungsgebiete: 

  • Betonseminare 
  • Betoninstandsetzungsseminare für Firmen 
  • Betoninstandsetzungsseminare für Fachbehörden und Ingenieursbüros 
  • Brückenprüfungen, Brückeninstandsetzung und Brückenerhaltungsseminare 
  • Korrosionsschutzseminare für Fachfirmen, Fachbehörden und Ingenieursbüros 
  • Abdichtungsseminare für Fachfirmen und Ingenieurbüros 
  • Seminare für Unternehmen, Fachbehörden und Ingenieurbüros wie z. Bsp. Verkehrssicherung, Ladungssicherung, Gefährdungsbeurteilung, Fundamenterder etc. 
  • Vorabeiter und Polierlehrgänge 
  • Regionale Weiterbildung für Kranführer, Staplerführer, Ersthelfer usw. 
  • Regionale Weiterbildung in Hessen für Fachfirmen, Ingenieurbüros und Hessen Mobil für Weiterbildungsseminare für Bauwerksüberwacher und Straßenwärter    

 

Mitentwicklung folgender deutschlandweit bekannter Weiterbildungsseminare: 

  • Betoninstandsetzung für Behörden, sachkundiger Planer, qualifizierter Führungskräfte in Zusammenarbeit mit dem Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) 
  • Zertifizierungslehrgänge für Brücken- und Bauwerksprüfingenieure, in Zusammenarbeit mit Bund-Länder-Fachausschüssen, der BAST und den zuständigen Ministerien 
  • Zerstörungsfreie Bauwerksprüfung im Ingenieur- und Brückenbau in Zusammenarbeit mit der BAST und der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) 
  • Entwicklung eines Düsenführerscheins für Spritzbeton- und Spritzmörtel in Zusammenarbeit mit Vertretern des Handwerks, der Industrie und der Ministerien. 


Sonstiges: 

  • Sonderseminare für Konzerne, Ingenieurbüros, Versicherungsanstalten, Behörden und Herstellerkonzerne. 
  • Aufbau einer eingetragenen Baustoffprüfstelle Hessen in 1993 
  • Überwachungsverträge mit Baufirmen zur Überwachung von Baustellen 
  • Baustoffprüfungen im Beton, Estrich und Erdbau 
  • Baustoff- und Bauberatungen für Fachfirmen und Behörden 
  • Möglichkeiten der Ausleihung von Prüfgeräten

Die Mitarbeiter des heutigen Bildungszentrum Bau Osthessen, Stand 08/2015:

Ausbildungsleiter: Werner Wahl 
Ausbilder:Bernd Schneider
Timo Schäfer 
Verwaltung:Sonja Fehl 
Externe Ausbilder:Bernhard Eckert 
Eduard Lang
Dieter Jander
Clemens Schneider 


Mittlerweile ist der Lehrbauhof Lauterbach (heute Bildungszentrum Bau Osthessen Lauterbach) eines der bekanntesten Weiterbildungszentrum Deutschlands für Beton, Betoninstandsetzung, Brückenprüfung und –instandsetzung Jährlich laufen bis zu ca. 90 Seminare in Kooperation mit der Bauakademie Hessen-Thüringen e. V. mit über 1000 Teilnehmern. Auszeichnung des Lehrbauhofes Lauterbachs in 2010 durch Weiterbildung Hessen e. V. für innovative Aus- und Weiterbildung In 2012 Kooperation und Zertifizierung mit 4 weiteren Bildungszentren aus Osthessen zum heutigen Bildungszentrum Bau Osthessen e. V.